„Das wirkt nicht über den Placeboeffekt hinaus!“

Hast Du diese Aussage schon mal gehört, wenn es um eine Behandlung, ein Medikament oder ähnliches ging? Auch bei osteopathischen Behandlungen wird zu oft behauptet, dass diese zu einem großen Teil über den Placeboeffekt wirken würden.

Heißt das jetzt, dass es keinen Effekt gibt und Du Dir Deine Zeit und Dein Geld dafür hättest sparen können?

Ganz so einfach ist es nicht, der Placeboeffekt ist sehr mächtig und kann eine deutliche Wirkung zeigen.

Ich möchte Dich dazu einladen, Dir mit mir gemeinsam anzuschauen, was genau der Placeboeffekt eigentlich ist. Auch auf das Thema Nocebo, als kleinen bösen Bruder des Placebos werden wir eingehen.

Und wir werden uns zudem auch anschauen, wo der Placeboeffekt beginnt und wo er Dir sogar im Alltag begegnen kann.

Den Inhalt habe ich so ähnlich bereits auch in meinem Podcast behandelt, den Link zum YouTube Video und verschiedenen Podcastplattformen habe ich Dir am Ende des Texts angehängt.

Was ist der Placeboeffekt?

Das Wort Placebo kommt so direkt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie „ich werde gefallen“.

Getriggert wird dieser unter anderem durch die Erwartungshaltung des Patienten.

Doch es handelt sich hier nicht um ein rein psychologisches Phänomen. Physiologisch kommt es unter anderem zu einer Aktivierung und vermehrten Ausschüttung von Glückshormonen, wie zum Beispiel:

  • Serotonin
  • Oxytocin (auch als Kuschelhormon bekannt)
  • Endorphinen (endogenen Morphinen = vom Körper produzierte Schmerzmittel/ Opioide)

Vereinfacht könnte man sagen, dass die körpereigene Apotheke vermehrt arbeitet und die eigenen Medikamente verstärkt ausschüttet. Das erklärt auch, warum sich sogar Laborparameter über den Placeboeffekt verändern können.

Der kleine böse Bruder (Nocebo-Effekt)

Auch wenn der Name Nocebo nicht ganz so geläufig ist, so sind Dir die Auswirkungen des Noceboeffekts vielleicht sogar noch präsenter.

Das Wort Nocebo stammt ebenfalls aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie „ich werde schaden“. Das schwierige ist hier, dass der Effekt oft länger anhält als beim Placebo, ähnlich wie bei vielen negativen Erfahrungen oder auch traumatischen Erlebnissen.

Hier werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, wie Adrenalin oder auch Cortisol.

Und das Nutzen des Noceboeffekts ist schon relativ alt. Wenn Du alleine mal an alte Flüche (Voodoo und Co) oder ähnliches denkst und welche körperliche Wirkung sich hierüber bei den Betroffenen zeigt, dann wirst Du schnell erkennen, wie mächtig dieser Effekt sein kann.

Derek Adams (1)

Aber nicht nur in „einfacheren“ Kulturen kann es zu diesem starken Effekt kommen. Sehr gut dokumentiert ist auch der Fall von Derek Adams.

Dieser nahm an einer Studie teil, die ein neues Antidepressivum testen wollte. Derek nahm eine starke Überdosis der Pillen, die er erhalten hatte und musste daraufhin intensivmedizinisch behandelt werden.

Da die Behandlung nur bedingt anschlug, wurde einer der Ärzte der Studie hinzugezogen. Dieser teilte den Behandlern und Derek mit, dass er Placebos eingenommen hatte. Nach 15 Minuten normalisierten sich sämtliche Symptome und auch Werte.

Aus diesem Fall lässt sich zudem auch sehr deutlich erkennen, wie stark dieser Effekt und somit auch die Psyche sein können.

Placebo und Nocebo im Alltag

Doch auch im Alltag können Dir beide Effekte begegnen. Hierzu möchte ich Dich zu einem kleinen Gedankenexperiment einladen:

Stell Dir vor, ein kleines Kind stolpert auf dem Spielplatz und rennt weinend zu seinen Eltern. Das Kind wirkt körperlich unversehrt.

Jetzt gibt es zwei typische Möglichkeiten, wie die Eltern reagieren können:

1. Die Eltern reagieren überfürsorglich und weinen fast selbst.

2. Die Eltern schauen sich das Kind an. Pusten oder streicheln kurz über die Stelle, die das Kind ihnen zeigt und sagen dann: „Ist nicht so schlimm.“

Was vermutest Du, welchem Kind es schneller wieder gut geht?

Wenn Du auf 1. tippst, schreib mir bitte und erklär mir zumindest kurz Deine Argumente.

Tippst Du hingegen auf 2., dann schließe ich mich Dir absolut an.

Hier siehst Du schnell und einfach, wie schnell ein Nocebo (1.) oder ein Placebo (2.) gesetzt werden kann.

Was aktiviert alles den Placeboeffekt?

Es gibt einige einfache Dinge, die bereits dazu führen können, dass Du als Patient Dich besser fühlst. Ein paar Beispiele möchte ich Dir nennen, die in meinen Augen eigentlich auch zu dem gehören, was in meinen Augen gerade in der Behandlung von Schmerzpatienten dazugehört:

  • körperliche Untersuchung (z.B. Tests der Beweglichkeit)
  • Patienten zuhören (geht in unserem Gesundheitssystem aufgrund ökonomischer Gedanken oft unter)
  • Patienten aufklären (gehört eigentlich immer dazu)
  • Berührung (denk einfach mal kurz an unser Beispiel mit dem Kind auf dem Spielplatz oder daran, wenn Du Dich irgendwo gestoßen hast und über die Stelle drüber reibst)
  • gute Laune bzw. Stimmung während der Behandlung
 

Wie gesagt, diese Dinge gehören zu meinen Behandlungen immer dazu und ja, ich weiß, dass hier bereits der Placeboeffekt mit einsetzt. Das Urteil, wie gut oder schlecht das ist, überlasse ich Dir.

Ich persönlich bin der Meinung, dass wenn ich über so einfache Punkte, wie die oben genannten, eine Verbesserung der Behandlungen erzielen kann, wäre ich dumm das nicht zu tun. Und es wäre Dir als Patient gegenüber nicht fair.

Das Nutzen des Placeboeffekts stellt meiner Meinung nach vor allem ein Aktivieren der Selbstregulationskräfte des Körpers dar.

Schwierig wird es an dem Punkt, wo durch den Placeboeffekt der Patient abhängig von einem Behandler oder einer Behandlungsmethode gemacht wird und nicht versteht, dass er einen großen Anteil an seiner körperlichen und seelischen Gesundheit hat.

 

Quellen:

(1) Reeves, R. R., Ladner, M. E., Hart, R. H., & Burke, R. S. (2007). Nocebo effects with antidepressant clinical drug trial placebos. General hospital psychiatry29(3), 275–277. https://doi.org/10.1016/j.genhosppsych.2007.01.010

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